am 19.08.01 auf die Stepbergalm in Garmisch-Partenkirchen

Die im Jahr 2000 in der Schweiz neu gegründete Vereinigung der Bergschafzüchter im Alpenraum mit Ihren Mitgliedern APOC die Trento, Landesschafzuchtverband Tirol, Schweizerischer Schafzuchtverband, Verband der Südtiroler Kleintierzüchter, Vorarlberger Schafzuchtverband und Bayerische Herdbuchgesellschaft für Schafzucht haben als erste gemeinsame Großveranstaltung den Begang einer Schafalm beschlossen. Dabei soll auf ein Hauptziel, die Erhaltung der flächendeckenden Almbewirtschaftung durch Schafe hingewiesen werden.

Für das Jahr 2001 obliegt der Vorsitz der neuen Vereinigung der Bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht . Diese Konstellation bedingte den Zuschlag zur Durchführung einer Almbegehung der wunderschön im Werdenfelser Land gelegenen Stepbergalm.

Die Veranstalter staunten dann nicht schlecht als am Sonntag den 19.08.2001 anstelle der erwarteten 300 gleich 600 Teilnehmer eintrafen. Solche Resonanz hätten wir uns in den kühnsten Träumen nicht erwartet.

Treffpunkt war der Hundeausbildungsplatz im Ortsteil Burgrain / Ga.-Pa. Von dort aus ging es mit Bussen Richtung Reschbergwiesen- Enningalm. Ab Ende der Forststraße führte ein ca. 15- 20- minütiger Fußmarsch zur 1550m über dem MS liegenden Hirtenhütte der Großviehalm Enning.Auf den weitläufigen Almflächen werden ca. 130 Stück Jungvieh und 11 Pferde durch den Hirten Franz Neuner den Sommer über betreut. Zusammen mit seiner Frau und vielen fleissigen Helfern übernahm er auch die Bewirtung unserer Begehungsteilnehmer in hervorragender Weise.

Die Begrüßung, der vielen Teilnehmer und Ehrengäste führte der 1. Vorsitzende der Bayerischen Herdbuchgesellschaft für Schafzucht , H. Christian Schleich aus Kirchstockach ( siehe Begrüßungsliste ) durch.

Beste Grüße unseres Ministerpräsidenten H. Edmund Stoiber, der auch die Schirmherrschaft übernahm überbrachte der Landtagsabgeordnete Johann Neumeier. Der erste Bürgermeister der Gemeinde Farchant sprach die Grüße der örtlichen Politik aus. Er lobte die gute Zusammenarbeit und freute sich schmunzelnd, daß er als Farchanter Gemeindeoberhaupt auf Garmischer Flur diese Aufgabe übernehmen durfte. Im Anschluß erklärte das Vorstandsmitglied der Garmischer Weidegenossenschaft, H. Josef Sailer den Weideablauf der Großviehalm Enning. Den interessierten Zuhörern wurde deutlich, daß durch die weitläufig verteilten Weideflächen dem Hirten seine Aufgabe nicht leicht gemacht wird. Zum Abschluß hielt der Garmisch- Partenkirchner Forstdirektor Günter Gleißner einen Vortrag über die Schutzwaldsanierung im Naturschutzgebiet Ammergebirge, das mitunter auch zu Beeinträchtigungen der Garmischer Schafalmbeweidung führt. Hierbei wurde bei einigen Zuhörern Unmut laut.

Frisch gestärkt ging es anschließend auf den ca. 1 ¼ - stündigen Weg durch das Weidegebiet der Garmischer Schafalm bis zur 1583m über dem MS gelegenen Stepbergalm. Auf halber Strecke konnten weidende Bergschafe besichtigt werden. Viele der Begehungsteilnehmer können den Idealismus den diese Form der Schafhaltung erfordert nicht verstehen.

Langsam fand sich die schier endlos erscheinende Menschenschlange an der Stepbergalm ein. Dort sorgte für das leibliche Wohl der Hirte Hermann Ostler, seine Frau Sissi unterstützt durch die Verwandtschaft. Küche, Grillmeister und Getränkeausgabe arbeiteten auf Hochtouren. Nur so konnten nach und nach alle Wünsche der Gäste erfüllt werden. Wartezeiten wurden abwechselnd durch die "Farchanter Musik" und die "Streckerer Musik" angenehm verkürzt.

Die Leitunger der fachlichen Vorträge übernahm der bayerische Zuchtleiter für Schafzucht Dr. Christian Mendel, Amt für Landwirtschaft und Ernährung Pfaffenhofen. Die Redner Christian Schleich-1.Vorstand der BHG für Schafzucht, Nikolaus Rott- Abteilungsleiter Landwirtschaft an der Regierung von Oberbayern, Josef Glatz-1. Vorstand der Weidegenossenschaft Garmisch, Dr. Stefan Völl- Geschäftsführer der Vereinigung Deutscher Landesschafzuchtverbände, Ludwig Dinkel - Präsident des Oberbayerischen Bauernverbandes, Franz Steindlmüller - 1. Vorsitzender des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Ludwig Benz - Präsident der Landwirtschaftskammer Tirol, Angelo Rizzi - Präsident des Schweizer Schafzuchtverbandes und Dr. Alessandro Ciola - Präsident der APOC die Trento schlugen alle in die gleiche Kerbe. Erhalt und Förderung der freien, flächendeckenden Almbewirtschaftung durch Schafe und Schluß mit den Einschränkungen durch die selbsternannten Naturschützer. Wobei die Herren Franz Steindlmüller und Josef Glatz extra auf die gute Zusammenarbeit mit den Naturschutzämtern hinwiesen, aber die harte Linie der "Selbsternannten", die meistens die Konsequenz Ihrer Forderungen auf lange Sicht gesehen gar nicht überblicken, scharf kritisierten. Weitere Einschränkungen in der Almwirtschaft bewirken Betriebsaufgaben das wiederum nach und nach zum Rückgang unserer herrlichen Kulturlandschaft führt. Auswirkungen auf den im Alpenraum wichtigsten Wirtschaftszweig, den Fremdenverkehr sind dann unumgänglich. Der wirksamste Naturschutz im Alpenraum wird seit Jahrhunderten durch uns Landwirte und Schafhalter selbst gemacht. Josef Glatz, 1. Vorstand der Weidegenossenschaft Garmisch untermauerte nochmals seine Forderung die weitere Schafbeweidung auf dem Frieder langfristig sicherzustellen.

Alle waren sich einig, daß Ziele einer gut funktionierenden "Vereinigung der Bergschafzüchter im Alpenraum" leichter politisch durchzusetzen sind als Einzelaktionen. Gemeinsam sind wir stärker.

Dr. Christian Mendel hielt abschließend Vorträge zur regionalen Selbstvermarktung von Schafprodukten und der Entwicklungsgeschichte der Weissen Bergschafrasse in Bayern. Einen geeigneteren Ort konnte er hierfür nicht finden, denn der Ursprung der heutigen langwolligen Weißen Bergschafrasse liegt im Werdenfelser Land. Der Schaf-Pauli aus Garmisch als Vorreiter und Förderer ist heute noch jeden Bergschafkenner ein fester Begriff. Gute Zucht- und Haltungsbetriebe haben seine Arbeit fortgesetzt und zum heutigen Stand ausgebaut.

Musikalische Einlagen zwischen den Vorträgen sorgten für Abwechslung so daß auch der letzte Redner aufmerksame Zuhörer hatte.

Der Wettergott muß ein Schafliebhaber sein, trotz widrigster Wettervorhersagen richtete sich das Wetter immer besser, am Nachmittag schien die Sonne bei herrlich blauem Himmel. Ein Blick auf die einmalige Gebirgskulisse, mit Alpspitze, Jubiläumsgrat, Zugspitze und Waxelsteine waren überwältigend und zeigten welch wunderschöner Fleck Erde das Werdenfelser Land ist. So war es nicht verwunderlich daß sich viele Gespräche und Diskussionen über längere Zeit hinzogen.

Der Abstieg zum Rotmoos führte über den 1991 unter schwierigsten Umständen errichteten Wirtschaftsweg. Wegen seiner geringen Breite, nur mit einem Spezialfahrzeug befahrbar, zusätzlich in den Kurvenradien so steil angelegt, daß nicht einmal mehr das Begehen Spaß macht. Der Sinn und Zweck solcher Auflagen sei dahingestellt, vor allem wenn man sieht welche "Autobahnen" für forstwirtschaftliche Zwecke in die Gebirgslandschaften geschlagen werden.

Der Rückweg von Rotmoos nach Burgrain erfolgte per Bustransfer, ab 16.00Uhr standen Busse für die Rückfahrt bereit. Zur Verkürzung von Wartezeiten standen einige Bierzeltgarnituren und der Ausschank von Getränken und einer kleinen Brotzeit bereit. Das schöne Wetter und die gute Stimmung erzeugten Geselligkeit, so daß der letzte Bus erst auf Drängen des Fahrers um 19.30 Uhr seine Fahrt aufnahm.

Zum Schluß bleibt nur noch der Dank an alle interessierten Teilnehmer sowie den geladenen Gästen für Ihr Erscheinen. Eine Teilnehmerzahl von über 600 Personen zeigt, daß auch die Schafhaltung im Alpenraum ihre Bedeutung hat und in Zukunft weiterhin haben wird. Ein besonderer Dank geht an die Weidegenossenschaft Garmisch für Ihre Mithilfe bei Organisation und Ausführung, an die Musikanten die kostenlos hervorragende Unterhaltung boten, das Forstamt Ga.-Pa. das unbürokratisch die Fahrgenehmigung der Busse erteilte. H. Josef Öfner aus Farchant für seinen Einsatz bei Organisationen und Ausführung sowie dem Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und Forsten, der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, der Kreissparkasse Oberammergau und der Raiffeisenkasse Farchant für Ihre finanzielle Unterstützung.

Am Vortag zur Almbegehung fand die Jahreshauptversammlung der Vereinigung der Bergschafzüchter im Alpenraum im Forsthaus Graseck statt. Hierbei wurde der Vorsitz für das Jahr 2002 an den Verband der Südtiroler Kleintierzüchter übergeben. Als Veranstaltung wurde eine Versteigerung von Bergschafen aller Rassen am 02.02.2002 in Bozen beschlossen.

Joseph Grasegger