Handspinnertreffen in Sachrang

Nicht direkt um Schafe, aber um die Wolle der Schafe, geht es am Samstag nach Maria Himmelfahrt (Mitte August) auf der "Ölbergalm" in Sachrang. Barbara läd für diesen Tag zu einem Treffen der Handspinner ein. Nachdem dieses Hobby doch heute recht selten geworden ist, findet man im Bekanntenkreis normalerweise keine Gleichgesinnten. Daher ist es sehr angenehm an diesem Tag einmal viele andere kennenzulernen, mit denen man die Faszination an dem Produkt Wolle und dem, was daraus entstehen kann, teilen kann.

Hier werden sonst die Schafe geschoren

Gegen 10 Uhr treffen üblicherweise die Gäste mit Ihren Spinnrädern ein. Auf dem Holzpodest, wo normalerweise Schafe geschoren werden, stellte jeder sein Rad auf. Darunter sind die verschiedensten, z.B. ein 55-jähriges Spinnrad, daß die Besitzerin Frau Resl Burger zu Ihrer Hochzeit geschenkt bekommen hat. Es gibt aber auch ganz moderne Räder, die durch eine Kugellagerung sehr leicht zu drehen sind. Ein Klappmechanismus erlaubt dann auch das Rad klein zusammenzulegen und auf Reisen mitzunehmen.

Jeder bringt seine Lieblingswolle mit, darunter sind natürlich viele der schönen einheimischen Wollen wie z.B. Milchschaf, Merino, braunes Bergschaf, Jakobschaf. Es gibt aber auch exotische Fasern, wie Seide und Alpaka. Während die Spinnräder surren, wird natürlich auch fachgesimpelt. Eines der immer wiederkehrenden Themen ist die philosophische Frage, welche Wolle für das Handspinnen die beste sei. Nachdem viele der einheimischen Züchter das Produkt Wolle wegen des Verfalls der Preise völlig außer Acht lassen, ist man häufig gezwungen auf australische Wolle zum Spinnen auszuweichen. Hier bekommt man Wolle bis zu 19 Micron, ohne jede Verunreinigung. Die deutschen Wollen sind meist viel gröber. Außerdem sind häufig noch Verunreinigungen in der Wolle, die man kaum herausbekommt. Hier könnte sich für Schafhalter, die sich verstärkt wieder um die Qualität der Wolle (möglichst sauber, möglichst lang, möglichst glänzend) ihrer Schafe kümmern, ein durchaus lukrativer Markt auftun. Spinner sind bereit, für qualitativ hochwertige Vliese gute Preise zu zahlen.

Nach einer Stärkung am Mittagsbuffet, zu dem jeder einen eigenen Beitrag leistet, wird am Nachmittag mit einem Gemeinschaftsprojekt begonnen. Jedes Jahr steht das Gemeinschaftsprojekt unter einem anderen Motto.

Pause beim Mittagessen

Versponnene, gefärbte australische Merinowolle

Für das Gemeinschaftswerk 2001 hatte jeder Teilnehmer im Vorfeld etwas blau gefärbte australische Merinowolle zum Verspinnen und verstricken bekommen. Die Wolle bot natürlich ein starkes Kontrastprogramm zu den von den Teilnehmern mitgebrachten einheimischen Wollen.

Arbeiten am Gemeinschaftsprojekt

Die entstandenen Musterquadrate wurden gemeinsam nach Stärke und Farbe sortiert und danach entsprechend der Mustervorlage ausgelegt. Alle beteiligten sich abwechselnd beim Zusammennähen der Jacke. Es waren zum Schluß so viele Quadrate vorhanden, daß es auch noch für eine Tasche reichte. Jeder der Teilnehmer war dann traurig, daß er die Jacke nicht mit nach Hause nehmen konnte. Der Erlös aus dem Verkauf des Gemeinschaftsprojektes wird zur Unterstützung der Gesellschaft zur Erhaltung der alten und heimischen Haustierrassen (www.g-e-h.de) zur Verfügung gestellt.

Fertiges Gemeinschaftsprojekt 2001

Den Abschluß des offiziellen Teil des Spinntreffens bildet eine Führung durch die historischen Plätze des Bergdorfes Sachrang den Abschluß des offiziellen Teils.

Den Ausklang des Tages bildet dann ein kleines Grillfest, zu dem sich auch noch einige befreundete Schafhalter gesellen. Hier gibt es dann natürlich auch noch einmal viel Gelegenheit zu Gesprächen.

Alles in allem ist es immer es ein sehr angenehmer Tag mit viel Gelegenheit zum Austausch, den man sonst nicht hat. Auf jeden Fall wird es ein solches Treffen im nächstes Jahr wieder geben.

Plausch auf der Alm